08 Die Psychologie






Psychologie betrachtet die Menschen, mit denen sie experimentiert kaum als gesellschaftliche Wesen. Sie reduziert die Erklärung von Verhalten - wie in aller Regel Psychoanalyse auch - auf frühe Sozialisation in der Primärgruppe oder - wie die Lernpsychologie - im wesentlichen auf zwei Formen des Lernens. Das ist in jedem Fall ein abstraktes Bild, ein psychologistisches Bild vom Menschen. Außerhalb des wissenschaftlichen Blickfeldes bleibt, was die gesellschaftlichen Determinanten des Trieb- und/oder Lernschicksals sind. Solche Abstraktheit hat notwendig praxiologische Folgen. Die Theorie tut dem Menschen noch einmal an, was ihm objektiv schon zugefügt wurde: sie reduziert ihn auf sich selber und sieht Möglichkeiten der Veränderung nur, indem sie ihm nahelegt doch sich selbst zu ändern, sich an die von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Strukturen anzupassen. Jeder Konflikt, der politisch relevant den Zusammenhang zwischen psychischer und gesellschaftlicher Struktur berührt, wird für den Fall, dass man ihn nur im Subjekt lokalisiert, entpolitisiert. Das ist die theoretische und praktische Basis aller Strategien der "counter insurgency", des psychologischen Konfliktmanagements.






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