04 Der Frankfurter Flughafen



Sebastian Kola Bankole Flughafen Frankfurt



Kola Bankole, der 30jährige Nigerianer, der am 30. August in einer Lufthansa-Maschine auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen starb, ist an einem Knebel erstickt. In einem von der Staatsanwaltschaft nur teilweise veröffentlichten Obduktionsbericht hatte es geheißen, der Mann sei an den Folgen einer Beruhigungsspritze umgekommen. Bankole war als abgelehnter Asylbewerber aus Rheinland-Pfalz zum Flughafen gebracht und dort dem Bundesgrenzschutz übergeben worden. Er hatte sich, wie schon mehrere Male zuvor, heftig gewehrt und war gegen seinen Willen mit einer Spritze ruhig gestellt worden. Als Todesursache galt Herzversagen, weil der Mann eine schwere, dem BGS und dem Arzt nicht bekannte, Herzkrankheit gehabt habe. Gestern dementierte Staatsanwältin Becker-Toussiant die Vorwürfe: "Das glaube ich nicht".; Sie erklärte, im Obduktionsbericht sei bisher nur von Herzversagen die Rede gewesen und deshalb werde auch nur untersucht, ob dieses im Zusammenhang mit der eine halbe Stunde zuvor verabreichten Spritze stehe. Der vollständige Bericht werde zum "Schutz des behandelnden Arztes" nicht veröffentlicht. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung. Die Staatsanwaltschaft erwäge jetzt aber, ein zweites Gutachten einzuholen. Dem Mann sei, so Becker-Toussaint, "für den Transport ein Beißschutz angelegt worden". er habe behauptet aidskrank zu sein, und gedroht, "Beamte zu beißen". Die IPNW untersucht zur Zeit weitere Todesfälle aus der Vergangenheit. Im Frühjahr dieses Jahres sei eine Frau ebenfalls durch Ersticken umgekommen. Nigeria hatte wegen des Todes von Kola Bankole bei der Bundesregierung protestiert und die Aufklärung der Todesursachen von seit 1991 vorwiegend im Abschiebeverfahren umgekommenen 24 Landsleuten gefordert.


Eine Meldung aus der TAZ vom 6. Okt. 1994





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